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Neue Hoffnung für Menschen mit Leukämie und Prostatakrebs

06.03.2026

Zwei bayernweit angelegte Studien erhalten eine Millionenförderung, um Krebspatientinnen und Krebspatienten in Bayern früh Zugang zu innovativen Diagnose- und Therapie-Verfahren zu ermöglichen.

Das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF) fördert erstmals zwei eigene klinische Studien mit insgesamt 5,2 Millionen Euro. Untersucht werden neue Ansätze zur Behandlung der akuten myeloischen Leukämie (ERASE-AML) und zur präziseren Prostatakrebs-Diagnose (PRIME). Die Studie ERASE-AML, die von Professor Marion Subklewe und ihrem Team am LMU Klinikum initiiert und geleitet wird, setzte sich in einem hart umkämpften bayernweiten Auswahlverfahren durch. An beiden Studien beteiligen sich alle sechs bayerischen Universitätsklinika.

Ziel der BZKF Förderung ist es, Krebspatientinnen und Krebspatienten in Bayern früh Zugang zu innovativen Diagnose- und Therapie-Verfahren zu ermöglichen. Mit ERASE-AML leitet das LMU Klinikum die ersten bayernweiten, von Forschenden initiierten klinischen Studien innerhalb des BZKF-Netzwerks, um innovative zellbasierte Immuntherapien in die klinische Anwendung zu überführen.

Neue Zelltherapie gegen aggressive Leukämie

Die Studie ERASE-AML richtet sich an Patientinnen und Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML), einer besonders aggressiven Form von Blutkrebs. Trotz moderner Therapieverfahren sind die Heilungschancen noch begrenzt: Nur etwa drei von zehn Betroffenen leben fünf Jahre nach der Diagnose. Besonders hoch ist das Rückfallrisiko, wenn nach der Therapie noch minimale Reste der Leukämie im Körper verbleiben oder wenn genetische Veränderungen die Krebszellen besonders widerstandsfähig machen. Für viele Patientinnen und Patienten ist eine Übertragung fremder, vorher auf Übereinstimmung getesteter Stammzellen (allogene Stammzell-Transplantation) die einzige Chance auf Heilung. Dennoch kommt es häufig zu Rückfällen – und wirksame Behandlungsoptionen sind dann begrenzt.

Die Studie prüft eine neuartige Form der personalisierten zell-basierten Immuntherapie. Dabei werden Abwehrzellen (T-Zellen) eines Stammzellspenders im Labor gezielt mit mehreren Leukämie-spezifischen Eiweißbausteinen (Peptiden) stimuliert. Auf diese Weise entsteht eine breit wirksame, gegen verschiedene Leukämie-Merkmale gerichtete Immunantwort. Zusätzlich werden die T-Zellen mit einem chimären ko-stimulierenden Antigenezeptor (eine künstlich kombinierte Andock- und Aktivierungsstruktur - CARs) ausgestattet, die die Aktivität der T-Zellen im Körper verstärken soll. Diese „trainierten“ und gezielt verstärkten T-Zellen werden bei Patientinnen und Patienten mit hohem Rückfallrisiko oder bei einem frühen Rezidiv nach Stammzelltransplantation eingesetzt. Ziel ist es, verbliebene Leukämiezellen dauerhaft zu eliminieren und Rückfälle zu verhindern. Die Studie wird von Dr. Veit Bücklein und Professorin Marion Subklewe (LMU Klinikum München) geleitet. Für diese Forscher-initiierte Studie erhält das LMU-Team eine Förderung in Höhe von drei Millionen Euro.

„Mit ERASE können wir einen innovativen Zelltherapieansatz erstmals in einer klinischen Studie bei AML prüfen“, sagt Marion Subklewe. „Besonders wichtig ist dabei die enge Zusammenarbeit im BZKF-Netzwerk. Nur durch diese standortübergreifende Struktur wird es möglich, neue wissenschaftliche Ideen gemeinsam und schnell in die klinische Anwendung zu bringen.“

Bessere Diagnose, geringere Belastung für Patienten mit Prostatakrebs

Die PRIME Studie untersucht, wie sich Prostatakrebs – eine der häufigsten Krebsarten bei Männern – präziser und patientenschonender erkennen lässt. Bisher folgt bei einem erhöhten PSA-Wert im Blut und einer auffälligen Kernspintomographie meist eine Gewebeentnahme (Biopsie). Für viele Betroffene bedeutet diese Untersuchung eine große körperliche und seelische Belastung – unangenehm, schmerzhaft und mit möglichen Infektionen verbunden. Zudem werden dabei nicht selten harmlose Befunde erhoben, die keine Behandlung benötigen.

Die PRIME-Studie soll untersuchen, ob zusätzliche moderne Bildgebung mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET/CT) die Diagnosegenauigkeit verbessern kann. Mit dem PSMA-PET/CT kann man Prostatakrebszellen durch eine sehr geringe Menge eines radioaktiven Medikaments noch genauer sichtbar machen. In der Studie erhalten 150 Männer mit auffälliger Kernspintomographie zusätzlich diese Untersuchung. Je nach Ergebnis sollen dann weniger oder gezieltere Biopsien für die sichere Diagnose eines behandlungsbedürftigen Prostatakrebs nötig sein. Ziel ist es, aggressive Tumoren früh und zuverlässig zu erkennen und gleichzeitig unnötige Eingriffe zu vermeiden. Die Studienleitung liegt bei Professor Matthias Eiber (TUM Klinikum München) und Professor Matthias Heck (Universitätsklinikum Augsburg). Die Fördersumme beträgt 2,2 Millionen Euro.

Starke Zusammenarbeit für bessere Krebsforschung in Bayern

Beide Studien werden standortübergreifend an allen sechs BZKF-Standorten durchgeführt: Augsburg, Erlangen, München (LMU und TUM), Regensburg und Würzburg. „Diese Studien markieren einen wichtigen Meilenstein für das BZKF“, so Prof. Dr. Andreas Mackensen, Direktor des BZKF. „Patientinnen und Patienten in ganz Bayern können an frühen klinischen Studien mit innovativen Ansätzen teilnehmen – ohne weite Wege auf sich nehmen zu müssen.“

Ortwin Thiel, Patientenvertreter fügt hinzu: „Für Betroffene bedeutet der Start dieser Studien vor allem Hoffnung – Hoffnung auf wirksamere Therapien bei Hochrisiko-Leukämie und auf schonendere, treffsichere Diagnostik bei Prostatakrebs. Es ist ein starkes Signal, dass innovative Forschung hier in Bayern so eng vernetzt und patientennah vorangetrieben wird.“

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